Realschule gestern und heute und bei uns

Realschule - Was ist das überhaupt?

Wir wollen den Versuch machen, das in Kurzform zu erklären! Es ist immer gut, wenn man sich klar­macht, wie etwas angefangen hat. Die Schulform REALSCHULE ist bereits zu Beginn des 18. Jahr­hunderts von klugen Pädagogen erdacht worden, die es nicht richtig fanden, dass man in den Schulen die Kinder mit einem Überangebot an Theorie und trockenem Wissen vollstopfte.

 

Diese klugen Leute haben also im Kleinen eine neue Art Schule ausprobiert - sie haben angefangen, die Lehrpläne zu entrümpeln und wieder Leben in das Klassenzimmer zu bringen. Und sie hatten großen Erfolg damit! Die REALSCHULE wurde schnell eine anerkannte Schulform und ist es bis auf den heutigen Tag geblieben. Wie modern die Rezepte für diese neue Art Schule waren, werden wir gleich sehen.

 

Es kam den Pädagogen damals darauf an, eine Brücke zu bauen zwischen dem Schulzimmer und der Realität, d.h. den Dingen und Sachen und sichtbaren Gesetz­mäßigkeiten in der wirklichen Welt, den so genannten Realien (von daher REAL-Schule). Diese klugen Lehrer sind mit ihren Schülerinnen und Schülern jetzt einfach aus den Klassenzimmern hinausgegangen nach draußen in die Natur, z.B. in den Wald, über Wiesen und Felder, an den Fischteich, zum Dorfschmied. Die Schülerinnen und Schüler haben beobachtet, erkundet, zugesehen und gesammelt. Die Schätze wurden in das Schulzimmer geschleppt, Blüten und Pflanzen, Gräser und Zweige, Steine und Würmer, Schmetterlinge und Kleintiere. Das Pult und die Schulbänke wurden Ausstellungsfläche und Experimentiertisch, die verstaubten Klassiker, diese altehrwürdigen Bücher, wanderten erst mal in die Ecke.

 

Neben das Schulhaus wurden Gewächshäuser gestellt, drinnen wurde gesät und gepflanzt und gepflegt, aber auch genau beobachtet, aufgeschrieben und gelernt. So kam man damals der Natur auf die Spur! Und mit der Langeweile war's vorbei, weil Schule so ganz anders geworden war. Das war vor über 200 Jahren.

 

Die REALSCHULE heute bemüht sich besonders darum, ihren bewährten Ur­sprüngen treu zu bleiben. Den Schülerinnen und Schülern von heute fällt das Lernen nun einmal schwerer als das früher der Fall war, die Ablenkungen durch die moderne Zeit sind größer und interessanter als früher. Da ist es pädagogisch vernünftig, die richtige Mischung herzustellen aus Theorie (das ist der Wissensstoff) und Praxis (das ist das Leben draußen).

 

 

Und wie sieht das Ganze aus im Schulalltag der Realschule Süd?

 

Wir nennen eine paar kleine Beispiele zur Verdeutlichung. Alle Welt redet von der Informationsgesellschaft, wir auch. Wir haben sie in der Schule in vier Computerräumen. In verschiedenen Jahrgangsstufen werden unsere Schülerinnen und Schüler mit Computern bekannt gemacht. Sie lernen beispielsweise die Anwendung von Programmen wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Sie lernen die Grundlagen im Umgang mit der Hardware, das Steuern eines Roboters und das Schreiben von eigenen Programmen. Das Ziel ist, den Schülerinnen und Schülern die Grundbegriffe der Informatik (Informations- und kommunikationstechnologische Grundbildung) zu vermitteln.

 

Oder: Seit Jahren gibt es in der Schule zusätzlich zu den drei regulären Fachräumen für die Biologie einen größeren Spezialraum, der ausgestaltet worden ist zur üppig grünenden Pflanzensammlung und zum lebendig-quirligen Kleintierzoo. Ein weiterer Schritt war die Errichtung eines Schulgartens. Ein größeres Gelände neben dem Gebäude ist zur grünen Insel inmitten der Asphalt- und Betonwelt des Schulzentrums um­gestaltet worden. Schülerinnen und Schüler, Lehrer und Eltern beteiligen sich gemeinsam an der Aufgabe, die Natur an die Schule heranzuholen. Es gibt Beete mit Pflanzen und Blumen, Bäume und Büsche, Wiesen, einen Teich.

 

Oder: An der REALSCHULE wird Wert gelegt auf praktische Fähigkeiten, auf die Vorformen handwerklichen Könnens, auf Förderung der Geschicklichkeit bei der Arbeit mit den eigenen Händen. Dies wird immer verbunden mit der Absicht, die Schülerinnen und Schüler zu eigenständiger Phantasie und Kreativität anzuleiten. Dies geschieht in den naturwissen­schaftlichen Fächern Biologie, Chemie, Physik, aber auch in Musik, Textilgestaltung, Kunst, Hauswirtschaft und Technik. Die REALSCHULE versucht, den Veränderungen der Welt Rechnung zu tragen durch ein entsprechend erweitertes Lehr­programm. Gesellschaft und Technologie entwickeln sich so rasant, dass die Grundlagen in der Schule vermittelt werden müssen.

 

Oder: Die Palette der erlernbaren attraktiven Berufe nimmt be­ständig zu. Die REALSCHULE hat ein Konzept zur Berufs­wahlvorbereitung entwickelt. Unsere Schule bietet konkrete Hilfen an, um den Schülerinnen und Schülern einen erfolgver­sprechenden Einstieg in das so breitgefächerte Berufs- und Beschäftigungssystem zu ermöglichen. Im Fachunterricht werden spezifische Kenntnisse über die Arbeits- und Berufs­welt vermittelt. Diesem Ziel dient der eigens eingerichtete Berufswahlunterricht in den Klassen 8 und 9 mit Betriebs­erkundungen und ersten Besuchen im Berufs-Informations-Zentrum (BIZ) des Arbeitsamtes. Ein Schülerbetriebspraktikum in Klasse 9 ermöglicht allen Schülerinnen und Schülern einen ganz konkreten Einblick in die Realitäten des Arbeits- und Berufslebens. Im Anschluss daran folgt die intensive Berufs­beratung durch die Mitarbeiter der Arbeitsagentur und weitere außerschulische Experten. Auch in der so schwierigen Frage, einen Beruf zu finden, der den Neigungen entspricht und der Zukunft hat, gibt unsere Schule brauchbare Hilfestellung.

 

Unsere Realschule läuft aus, der Rat der Stadt Duisburg hat es so beschlossen. Das bedeutet, seit 2014 werden keine neuen 5. Klassen mehr aufgenommen, im Sommer 2019 wird es unsere Schule nicht mehr geben, dann wird zum letzten Mal ein 10. Jahrgang entlassen. Daneben ist im gleichen Gebäude eine Sekundarschule mit dem ersten 5. Jahrgang gestartet und wird weiter zu einer vollstädigen Schule wachsen. Glücklicherweise gibt es eine gute Zusammenarbeit: Fachräume werden gemeinsam genutzt, einige Lehrer der Realschule unterrichten auch an der Sekundarschule und umgekehrt.